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Phänomen Jugendsprache

… seit einigen Jahren verucht der Ernst Klett Verlag in seiner Reihe PONS-Wörterbücher die Jugendsprache zu fixieren. Bei einer sehr lustigen Blättergelegenheit in diesem “Werk” in jüngerer Vergangenheit stellten Kollegen und ich fest, daß einige enthaltene Begriffe eigentlich seit Jahr(zehnt)en als umgangssprachliche Begriffe im DUDEN fehlen - sie sind eigentlich nicht (mehr) explizite Jugendsprache. Andere Begriffe haben die Zeit durch die Fixirung im Jugendsprachewörterbuch scheinbar überdauert, dritte wiederum waren allen beteiligten Kollegen fremd (auch der Azubine) und hätten daher m. E. einen redaktionellen Zusatz verdient, in welcher Bevölkerungsgruppe (soziologisch, herkunftsabhängig oder auch regionale Beschränkungen) sie vorwiegend Anwendung finden.

Es schien auch teilweise, daß Begriffe nicht wirklich im Umlauf waren, sondern eher Konstrukte sind, mit denen die Redaktion gelinkt wurde …

Vor allem fehlten diesen Begriffen Erklärungen zur Entstehung. Auch nur ansatzweise Versuche wären diesbezüglich ja schon interessant. Ich bin teils mit Begriffen konfrontiert worden, als ich nach Berlin kam, die mir zuvor vollkommen fremd waren. Bestes Bsp. ist der Begriff “dissen”, ein Verb, das in der Bedeutung ein wenig in Richtung “mobbing” geht.

Vielleicht kann mich ja mal einer in Bezug auf dieses und jenes aufklären …

So interessant das Unterfangen auch sein mag, den Sprachschatz einer Generation fixieren zu wollen, sowohl um damit Geld zu machen als auch um eine echt Hilfe bei der Verständigung zu bieten, so finde ich das ganze doch irgendwie auch reichlich überflüssig. Schließlich ist die Sprache der Jugend genauso vergänglich wie die Jugend selbst. Nur geglückte Wortschöpfungen gehen schließlich in die Umgangssprache ein.

Was mich in diesem Zusammenhang manchmal wesentlich eher interessierte: Wieso reden sich Teenager mit “Alter” an?

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10. Mai - Nachtrag

Am gestrigen 10. Mai spielte in meinem Berufsalltag die Bücherverbrennungvor 75 Jahren keine Rolle. Schon eher der heutige Muttertag.

Hier bemerkt man teilweise den Unterschied zwischen dem Handel mit Kulturgütern (vulgo Buchhandel [u.a. natürlich]) und Veranstaltungen in den übrigen Kultureinrichtungen.

Es ist zwar keinesfalls so, daß solche Geschichtsdaten komplett spurlos an den Händlern vorbeigehen. Aber Ladenöffnungszeiten und Kapazitäten in Präsentationsmodulen (Tische, Schauwände und -fenster) werden dann doch eher dem Ereignis eher Rechnung tragen, daß Umsatz verspricht. Eine moralisierende Rückschau bringt weniger als alltagstaugliche Anerkennung jener, denen man sein Leben verdankt (näheres dazu in der Wikipedia).

Als ich gestern abend noch den Fernseher einschaltete bemerkte ich weder von dem einen noch dem anderen Ereignis etwas … auch war das Programm m.E. nicht sehr pfingstlich: es lief “Schweigen der Lämmer”.

Das andere Dingen ist, ich bin beruflich derzeitig eher darum bemüht, die Umsätze in meinen Abteilungen zu steigern. Da sind für mich Ereignisse wichtiger, die meine Stammklientel (u.a. meine MangakundInnen) mit frischem Kapital ausstatten: also bestandene Abitur- oder MSA-Prüfungen, Erstkommunion, Konfirmation oder Jugendweihe, wahlweise auch die nächste Urlaubsreise, für die man noch frische Lektüre braucht.

So werden die in Berlin nun laufenden Pfinst- und die bald darauf kommenden Sommerferien für mich eine andere Bedeutung beruflich haben, als für andere Menschen: ich muß dann mein Lager entsprechend aufstocken.

Geschichtliche Daten sind dabei weniger von Interesse … das läßt für manche Menschen den Eindruck entstehen, daß wir geschichtsvergessen seien. De facto sind wir aber nur realistisch veranlagt, in dem wir (ich und meine Kollegen), dem mehr Platz einräumen, was uns mehr Umsatz verspricht … denn dieser beflügelt letztlich auch unsere Tarifverhandlungen, die im Einzelhandel ja nach wie vor nicht abgeschlossen sind … was wiederum ein Thema ist, daß an der übrigen Öffentlichkeit ziemlich vorbeizugehen scheint, und da, obwohl sicher ein nicht zu verachtender Teil der Bevölkerung im Einzelhandel tätig ist.

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Der 10. Mai …

… kehrt immer wieder. Wären vor 75 Jahren an jenem Tage auf dem Berliner Bebelplatz keine Bücher verbrannt worden, wäre dieser 10. Mai ein Maitag wie jeder andere auch: hoffentlich sonnig, schön und nicht allzu tödlich …

Tödlich ist leider das ganze Leben - es hat immer zum krönenden Abschluß den Tod. Aber nicht alles was lebt, stirbt friedlich und freiwillig (sofern man letzteres überhaupt erreichen kann, da es ja einen natürlicher Zwang zum Tode gibt). Und so war’s schon früher und ich fürchte es wird noch eine Weile dauern, bis das forcierte Sterben endet.

In meinen Augen sind die Ereignisse vom 10. Mai 1933 - wenn gleich sie eigentlich nur einen inszenierten Auftakt bildeten - gleichbedeutend mit dem ihm nachfolgenden Horror. Heine klingt einem immer im Ohr - Heine sprach zum Anlaß des Wartburgfestes 1817 von den verbrannten Büchern, als Studenten (sic!) im Taumel “undeutsche” Bücher wie den Code Napoleon aber auch Kotzebues “Geschichte des deutschen Reiches” und “Germanomanie” von Saul Ascher, einem jüdischen Schriftsteller verbrannten. Auch wenn sie nur makulierte Bücher seinerzeit verbrannten: es gilt die Signalwirkung, zumal Kotzebue zwei Jahre später von einem Studenten ermordet wurde; die Liste der verbrannten Bücher der SA-/SS-Aktion vom 10. Mai 1933 ist bedeutend länger und wurde in zwei Verlagen mittlerweile zum traurigen Jubiläum veröffentlicht, näheres findet man bspw. beim ZDF in der Titelliste zur letzten lesen!-Sendung (Elke Heidenreich, Gast: Claus Peymann).

Als vor einiger Zeit in einem mitteldeutschen Dörflein eine Sonnenwendfeier zum Skandalakt geriet, weil ein Idiot meinte, ein Exemplar des Anne-Frank-Tagebuchs zu verbrennen, war hinterher die gesamte Bevölkerung dieses Örtchens dem Pilatus-Syndrom anheim gefallen. Wieso hat dieses Arschloch nicht seine Kopie von “Mein Kampf” ins Feuer geworfen? Zumal hinterher behauptet wurde, daß die Initiatoren Aussteiger seien, wäre das eine geglückte Zäsur gewesen. Der Dreck der deutschen Geschichte klebt uns hartnäckig an den Fersen!

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Die Summe der Ereignisse …

… macht die Ereignisse an sich bedeutungslos - das ist zumindest eine Beobachtung, die ich schon machte, als ich früher noch einige Brieffreundschaften pflegte und diesen nach einer kleinen Schreibpause von dem zwischenzeitlich erlebten berichten wollte. Ich erfahre, daß dieses sich beim bloggen nicht anders verhält.

Komische (respektieve seltsame) Menschen, die man in der Ausübung des Berufs trifft, Episoden aus dem Kollegenalltag, die ganz allgemeine Politik etc.pp.

Etwas, was sehr frisch ist und eher alltäglicher Natur: unser Telefon hat in Teilen seinen Dienst versagt … das seltsame daran: die Technik ist soweit in Ordnung, nur eine kleine Vorrichtung an den Kabeln, die verhindern soll, daß diese permanent aus dem Apparat herausrutschen, ist abgebrochen. Ein neues Telefonkabel ist sicher billig und schnell besorgt, das dumme ist nur, daß der Netzstecker auch betroffen ist … naja. Jetzt müssen wir mal sehen, daß wir was neues finden ….

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Der Nichtraucherschutz

Ich habe mich ja bereits als Raucher geoutet.

Seit Beginn des Jahres gilt ja in Deutschland das Nichtraucherschutzgesetz (in den jeweiligen Länderfassungen).

In Berlin gilt eine “Übergangsregelung”, derzufolge erst ab dem 01.07.2008 Verstöße gegen dieses Gesetz beim Rauchen in gastronomischen Betrieben geahndet wird, sollte dieses außerhalb der gekennzeichneten Raucherbereiche geschehen (ich hoffe, das so korrekt wiedergegeben zu haben). Wenn ich richtig informiert bin, werden schon jetzt Verstöße registriert und ggf. bei einer Häufung ab dem 01.07. geahndet. D.h. im Klartext, man kann jetzt sozusagen schon Strafpunkte für ein Knöllchen sammeln.

Durch die Medien und Diskussionen in Internetforen weiß ich aber um die zwiespältige Betrachtung des Gesetzes und schließe aus den Diskussionen, daß das Gesetz mit heißer Nadel gestrickt wurde. Die nicht abreißenden Diskussionen zeigen ganz klar, daß es eigentlich einen Nachbesserungsbedarf gibt bzgl. des Rauchens in Kneipen, Diskotheken und Biergärten. Vermutlich wird man aber vergeblich darauf warten. Es gibt Hinweise darauf, daß ein etwaiger Versuch am Gesetz allgemein zu rütteln, zu Verschärfungen führen dürfte.

Ich denke mal, man wird kaum Schlupflöcher in diesem Gesetz finden, ersten Erhebungen zu Folge gibt es auch keinen generellen Umsatzeinbruch in der Branche: in Restaurants steigen seit Inkraftreten des Gesetzes lt. einiger Betreiber die Umsätze, während sie in Kneipen und Bars allmählich zurückgehen, teils auch regelrecht einbrechen.

Klar ist, daß die Diskussion noch lange anhalten wird und auch Arbeitsplätze kosten wird. Die Frage ist allerdings, ob auch nur ein Hahn nach diesen Arbeitsplätzen in der Politik krähen wird. Es sind keine der sogenannten qualifizierten Arbeitsplätze, sondern eher kleine Aushilfsjobs von Studenten und Zweitjobbern, teils auch HartzIV-Aufstockern. Aber es sind viele Arbeitsplätze … Ich bin gespannt auf das Echo.

Ich frage mich ganz ernsthaft auch, wie weit die Politik in Bezug auf den Nichtraucherschutz noch gehen wird. Wird irgendwann das Rauchen in der Öffentlichkeit (unter freiem Himmel) verboten sein? Werden sich irgendwann Personen vor Gericht darüber streiten, ob ein Raucher auf dem Balkon seiner Wohnung sich in öffentlichem Raum oder eben innerhalb der eigenen vier Wände (bzw. auf Grund und Boden des ihm zugestandenen privaten Rückzugsbereiches) befindet?

Der Nichtraucherschutz ist - per Gesetz alle mal - auch ein Eingriff in die Privatsphäre (nicht nur der Raucher). Der Staat bevormundet hier (sicherlich nur mit besten Interessen und Wohlwollen) seinen Bürger: den Raucher in seiner Bewegungsfreiheit, den Nichtraucher aber auch - mitunter dahingehend, daß der Nichtraucher, den Job in der Gastronomie, den er wohlwissentlich annahm, daß er dort mitunter Tabakrauch ausgeresetzt ist, ohne sein zutun verliert. Ich bin auch in dieser Hinsicht gespannt, ob Nichtraucher irgendwann die Länder verklagen, weil sie auf Grund eines Gesetzes daran gehindert wurden, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.  Ich kann mir vorstellen, daß solche Klagen eingereicht werden - aber vermutlich nie verhandelt.